Nachtrag zur Etymologie und Bedeutung von „pur“

1. Die neuere Forschung scheint Georges’ These vom Zusammenhang zwischen einerseits lat. purus und andererseits griech. ρύρ [pur] und altindisch pur = Feuer aufgegeben zu haben. Statt dessen wird allenfalls ein Zusammenhang mit griech. ρυρός [purós] = Weizen (‚that which is winnowed’) für möglich gehalten
PONS Lexiface Professional: to winnow grain = das Getreide reinigen [o fachsprachlich veraltend: worfeln].

2. Das indoeuropäische Etymon zu „pur“ hängt nicht dem Phantasma einer ursprünglichen Reinheit an, sondern bezeichnet eine – durch sieving = sieben – hergestellte ‚Reinheit’

Siehe: J.P. Mallory / D.Q. Adams, Encyclopedia of Indo-European Culture, Fitzroy Dearborn: London / Chicago, 1997, 109, 202, 639.

„[…] wir wissen, daß es keine reine theoretische Praxis gibt, keine ganz nackte Wissenschaft, die in ihrer Geschichte für immer durch irgendeine Gnade vor den Bedrohungen und Beeinträchtigungen des Idealismus bewahrt wäre, d.h. vor den Ideologien, die sie belagern: Wir wissen, daß es eine ‚reine‘ Wissenschaft nur unter der Bedingung gibt, daß man sie ständig reinigt“
(Louis Althusser, Über materialistische Dialektik. Von der Ungleichheit der Ursprünge [1963], in: ders., Für Marx, Suhrkamp: Frankfurt am Main, 1968, 100 – 167 (109) – Hv. i.O. (engl. Fassung im internet unter: http://www.marx2mao.com/Other/FM65ii.html#s6).

Und in dieser Hinsicht ist (nicht nur) bezüglich der deutschen Rechtswissenschaft noch einiges zu tun.

lat. pure


(Adv. < purus [Adj]; vgl. altind. pur = Feuer) =

A.c) als juristischer terminus technicus: rein, einfach, unbedingt, schlechthin, ohne Vorbehalt, ohne Verwahrung

(K. E. Georges, Lat.-dt. HWb., Hahn: Hannover, 1913-18, S. 2090)



Meta

lat. PURE = A.c) als juristischer terminus technicus: rein, einfach, unbedingt, schlechthin, ohne Vorbehalt, ohne Verwahrung (K. E. Georges, Lat.-dt. HWb., Hahn: Hannover, 1913-18, S. 2090)

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